Rosanna Puzzo © Screamgraphicstudio Rosanna Puzzo
Für 8500 Euro haben die Geschwister Roberto und Rosanna Puzzo den Kinofilm "World Order" produziert. "In ihm stecken aber fünf Jahre voller ehrenamtlichem Engagement. Keiner der Beteiligten hat je eine Gage erhalten", erinnert sich Rosanna an die lange Produktionszeit zurück. Wären alle Beteiligten regulär entlohnt worden, hätten sich die Kosten schätzungsweise auf zwei Millionen Euro belaufen. Nun ist die Entstehung von "World Order" aber keine gewöhnliche und Roberto und Rosanna Puzzo sind auch keine gewöhnlichen Produzenten. Sie eint ihre große Liebe, eindringlicher Wille und absolute Leidenschaft für das Film-Business. Auch eint sie ihre berufliche Herkunft. Roberto, den die "Münchner Abendzeitung" angesichts des Selfmade-Karrierewegs jüngst schelmisch den "Rocky Schwabings" nannte, entscheidet sich zunächst für eine Ausbildung zum Friseur, wechselt dann aber ans Münchner ISSA, eine internationale Schule für Schauspiel und Acting.

 

Bei "World Order" ist er als Tausendsassa aktiv. Regisseur, Cutter, Produzent, Hauptdarsteller. Seine Schwester Rosanna ist ausführende Produzentin. Auch sie schneidet inzwischen keine Haare mehr. "Den Laden habe ich aufgegeben", berichtet sie. "Das hat mir – nach rund 20 Jahren in dem Beruf – einfach keinen Spaß mehr gemacht. Es war zu sehr zur Routine geworden. Und zum Film, dorthin wollte ich schon, als ich noch ein Kind war. Diesen Traum erfüllen wir uns gerade. Und dafür arbeiten wir extrem hart." Parallel zur Produktion von "World Order" hatte sie teils drei Jobs gleichzeitig, um Geld zu verdienen. Sie erzählt von Nächten, in denen sie komplett ohne Schlaf auskommen musste.

Serienentwicklung auf eigene Kosten

Als Hobbyprojekt will sie "World Order" nicht verstanden wissen. Nein, ein Spaßding sei das alles nicht, sagt sie energisch. "Einige der Beteiligten bringen den nötigen Background mit, geholfen haben etwa Absolventen von Filmhochschulen." Und der nächste Schritt soll folgen. Mit ihrer Firma Lucky Eagle Production soll aus dem Kinofilm nun eine Serie werden, auch hier ist Lucky Eagle Production in Vorleistung gegangen. Das Ziel: Jene Serie bei einem großen Anbieter unterzubringen. "Aber schnelle Abschlüsse sind heute nicht einfach zu erzielen", berichtet Rosanna Puzzo. Der Fahrplan für die "World Order"-Serie aber steht schon einmal. 

Die Serie soll drei Staffeln mit je zehn Episoden haben, insgesamt also auf eine Länge von 30 Folgen kommen. "Die ersten Drehbücher sind bereits fast fertig", sagt Rosanna Puzzo. "Die erste Resonanz von Streamingdiensten war wirklich sehr vielversprechend. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass sie von den Pitches begeistert waren," erklärt Puzzo. Entsprechend macht sich Hoffnung breit bei den Lucky Eaglers, dass das Greenlight bis Mitte kommenden Jahres vorliegen könnte.

Die Geschichte von "World Order" dreht sich um den Einzelgänger Vito, der in einen Verschwörungsstrudel gerät, der Jahrhunderte zurückreicht. Bald weiß er nicht mehr, wem er überhaupt noch vertrauen kann und soll. Für ihn ist klar: Vito braucht bald dringend Gleichgesinnte, wenn er angesichts der sich immer höher auftürmenden Bedrohung überleben will. Größer gedacht als gemacht sei der Film, heißt es etwa im Münchner "Abendzeitung". Auch Vergleiche mit Schultheateraufführungen kränken die Macherin nicht. "Dass Rezensionen des Films auch kritische Töne enthalten, ist für uns absolut in Ordnung. Wir kennen die Schwächen. Zunächst einmal ist es für uns eine Ehre, dass überhaupt eine Kritik erscheint. Und dann stellt sich doch immer die Frage: Wenn wir einen solchen Film nahezu ohne Budget zaubern, was wäre dann möglich, wenn uns jemand einen Batzen Geld gibt?"

Mit Stolz verweisen sie auf eine lange Liste an Filmpreisen, die der "World Order"-Film gewonnen hat. Darunter sind Auszeichnungen des London international Filmfestival oder des Prague International Monthly Film Festival.



Abbringen lassen von ihrem Ziel wollen sich die Puzzo-Geschwister jedenfalls nicht. Der Fokus der Firma liegt zu allererst auf der angestrebten Produktion der "World Order"-Serie, doch die Ideen sprühen auch schon in andere Richtungen. Weitere Projekte, berichtet Rosanna Puzzo, wurden bereits parallel zum "World Order"-Film gedreht. "Dazu gehören Filme wie 'Dosis' oder 'Dream Vision Reality'. Hinzu kommt eine via YouTube verfügbare Doku, die die Entstehung von 'World Order' nachzeichnet.“ So oder so – für die Puzzos dürfte 2022 ein spannendes Jahr werden.