Mitte Juni dieses Jahres konnte das Medienmagazin DWDL.de mit Blick auf die enorm angezogene Nutzung von DWDL.jobs eine Rückkehr des Personalbedarfs der TV-Wirtschaft auf das Niveau vor der Corona-Krise vermelden. Eine Entwicklung, die sich in den vergangenen Monaten verstetigt hat. Doch es gibt eine zweite Seite dieser Medaille, der sich DWDL.de in den kommenden Wochen im Rahmen unseres Job- und Karriere-Schwerpunkts "Vitamin D" widmen wird. Es ist ein Update zu zwei altbekannten Themen und eine neue Herausforderung. Es geht, nicht nur aber mit Schwerpunkt, um Diversity, Fachkräftemangel und New Work.

Eigentlich könnte der allgegenwärtige Wunsch nach mehr Diversity in einer Branche, die sich selbst doch so gerne als liberal und progressiv sieht, mittelfristig ein wertvoller Teil der Lösung einer anderen Herausforderung sein: Der Branche fehlen Fachkräfte in vielen Gewerken. Diversity, das meint viel: Von der soziokulturellen Prägung über Herkunft, Hauptfarbe, Geschlecht, Behinderung und Alter bis zur sexuellen Orientierung oder Religion. Viel diskutiert wurde zuletzt zwar der Mehrwert fürs Storytelling, aber es geht um mehr als die Geschichten, die man erzählen könnte. Repräsentanz, neue Impulse und Diskurs können überall "Wir haben das schon immer so gemacht"-Denkmuster aufbrechen.

Doch leider ist der Mangel an Fachkräften in der Branche gerade so akut und oft an recht kurzfristigen Produktionszeiträumen orientiert, dass er auf kurze Sicht erst einmal eher kontraproduktiv ist für das so wichtige Thema Diversity: Derzeit wird genommen, wer verfügbar ist. Dabei auf Diversity in den vielen denkbaren Dimensionen zu achten, sei unter diesen Umständen noch schwieriger als ohnehin - hören wir aus vielen Personalabteilungen. Dabei besteht kein Zweifel: Bei HR muss Diversity in den Unternehmen beginnen. Die Vielfalt von morgen hätte gestern schon eingestellt werden müssen.

Eins ist eigentlich unbestritten: Die Suche nach Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war nie komplexer und anspruchsvoller. Eine Erkenntnis, die allerdings noch ankommen muss in vielen Geschäftsführungen, die mal aus freien Stücken oder als Reaktion auf öffentlichen Druck zwar immer höhere Erwartungen haben an ihre Personalabteilungen, diese aber oftmals nicht entsprechend aufstocken. Dabei ist durch die Pandemie zu Diversity und Fachkräftemangel noch eine dritte Herausforderung dazu gekommen: New Work.

Wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Einerseits geprägt durch das kollektive Home oder Mobile Office der Lockdown-Zeiten, aber auch durch Generationenunterschiede beim Thema Work-Life-Balance. Geld allein macht viele Bewerberinnen und Bewerber nicht mehr glücklich. Die Arbeitsbedingungen, auch übrigens die Haltung von Arbeitgeberin und Arbeitgeber in gesellschaftlichen Fragen, spielt längst eine Rolle. Nicht immer, aber immer öfter und in einem Markt, der händeringend neue Leute sucht, sind das Ansprüche deren Nichtbeantwortung man sich als Unternehmen leisten können muss.

Die TV-Branche, wozu selbstredend das Produktionsgeschäft dazu gehört wie auch die nicht unerheblich zur erhöhten Nachfrage beitragenden Streamingdienste, steht damit derzeit grundsätzlich vor Herausforderungen, die natürlich auch andere Branchen erleben. Deshalb wollen wir über unser neues "Vitamin D"-Special im Dialog mit der Fernsehwirtschaft nachhaken und herausarbeiten, wo die besonders spezifischen Probleme liegen und wie Lösungen aussehen könnten.