ProSiebenSat.1 könnte seine Anteile am Online-Beautyhändler Flaconi schon bald verkaufen. Wie das "manager magazin" zuerst berichtete, gibt es gleich mehrere Interessenten für das Unternehmen. So sollen sich neben Zalando auch Douglas sowie der zum französischen LVMH-Konzern gehörende Parfümhändler Sephora für Flaconi interessieren. ProSiebenSat.1 wollte sich weder gegenüber dem "manager magazin" noch auf Rückfrage von DWDL.de zu dem Bericht äußern. 

Nach DWDL.de-Informationen stimmt es, was das "manager magazin" berichtet. Der Verkaufsprozess dürfte sich aber in einer noch recht frühen Phase befinden. Doch schon die Tatsache, dass sich drei namhafte Branchengrößen für Flaconi interessieren, zeigt, wie groß die Marke inzwischen ist. ProSiebenSat.1 hält über die NuCom-Group, hier hat man alle Commerce-Aktivitäten gemeinsam mit General Atlantic gebündelt, 100 Prozent an der Flaconi GmbH. 

Rainer Beaujean © Seven.One/Florian Bachmeier Rainer Beaujean
Wie das "manager magazin" berichtet, soll Flaconi im vergangenen Jahr rund 300 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet haben. ProSiebenSat.1 veröffentlicht keine Zahlen für die einzelnen Commerce-Beteiligungen. Fest steht aber: Flaconi ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen und ist für den Medienkonzern auch während der Coronakrise ein verlässlicher Umsatzbringer gewesen. Flaconi war immer ein Umsatztreiber im Konzern, das ist kein Geheimnis. Wegen hoher Marketingkosten fuhr Flaconi bislang jedoch Verluste ein. Zuletzt hieß es aus Unterföhring aber immerhin, auch die Ergebnisbeiträge, die Flaconi dem Konzern beschere, hätten sich verbessert. ProSiebenSat.1-Vorstandssprecher Rainer Beaujean bezeichnete Flaconi im Sommer 2020 als "krisenfest"

Nun will man den Online-Beautyhändler ganz offensichtlich loswerden. Schon vor einiger Zeit verordnete sich ProSiebenSat.1 bekanntlich eine neue Strategie: Man konzentriert sich mittlerweile voll auf den Unterhaltungsbereich, zu dem auch das klassische TV-Geschäft gehört. Die vielen Beteiligungen will man verkaufen, wenn man feststellt, dass man für die einzelnen Unternehmen nicht mehr der richtige Hauptgesellschafter ist - und bei Flaconi ist das nun offenbar der Fall. Flaconi ist neben Deutschland auch in Österreich und Polen aktiv. Um die Plattform weltweit auszurollen, wird es nicht reichen, Werbung auf seinen deutschen TV-Sendern zu schalten. Im vergangenen Herbst verkaufte man mit WindStar Medical eine andere Beteiligung für viel Geld (DWDL.de berichtete). 

ProSiebenSat.1-Vorstandssprecher Rainer Beaujean erklärte bereits im Dezember in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitungen", dass es im Beauty-Segment demnächst zu Veränderungen kommen könnte. "Unsere Strategie wird verstanden, wir setzen diese konsequent um, konzentrieren uns auf unseren Kern und prüfen, inwiefern alle anderen Geschäfte darauf einzahlen. Wenn das nicht mehr der Fall ist und das jeweilige Geschäft nicht mehr fernsehnah ist, also über Werbung weiterentwickelt werden kann, trennen wir uns davon. Solche Verkäufe sind auch im nächsten Jahr möglich, beispielsweise in unserem Bereichen Beauty und Lifestyle", sagte er damals. Fest steht aber auch: Verkauft man Flaconi, verliert man einen Teil Diversifikation, auf die man in der Vergangenheit hörbar stolz war.