Corona-Nachrichten prasseln seit Tagen auf uns ein. Und die allermeisten von uns wissen nicht, wie sie die Lage einschätzen sollen: Geht das jetzt bald vorüber, wenn ich nur brav zu Hause bleibe und von dort aus arbeite? Oder wird es vielleicht noch schlimmer, und ich darf noch nicht mal mehr einen Spaziergang machen?

Irgendwann reicht es mit den Corona-Eilmeldungen hier, den schlimmen Corona-Nachrichten dort. Irgendwann muss man sich einfach mal zurückziehen von all dem. Mit einer Serie zum Beispiel. Handy aus, Laptop weggestellt - Fernseher an. Ich habe fünf Serientipps zusammengestellt, die jetzt genau richtig sein könnten, weil sie perfekte Ablenkung bieten:

"Anne with an E": Verleiht Kraft und inspiriert.

Diese Adaption des Jugendbuchklassikers "Anne von Green Gables" ist kraftvoll und modern - und auch für deutlich Ältere geeignet: Es geht zwar um die elfjährige Waise Anne, die Ende des 19. Jahrhunderts auf einer Insel im Osten Kanadas zu einer neuen Pflegefamilie kommt, wo sie anfangs unerwünscht ist. Aber eigentlich geht es bei der Geschichte der verträumten, fantasiebegabten und rebellischen Anne um Respekt, Selbstentfaltung, Gleichberechtigung und die Kraft, Regeln und Normen zu verändern. Diese Adaption ist bemerkenswert: die Bilder sehen hervorragend aus, die Drehorte sind passend gewählt und die Rollen sind großartig besetzt. Amybeth McNulty in der Hauptrolle als rothaarige, sommersprossige Anne ist eine echte Entdeckung. Manchmal düster, manchmal traurig - und doch immer beflügelnd und inspirierend. Der einzige Mangel: dass die Auftraggeber (Netflix und der kanadische Sender CBC) die Serie nach drei Staffeln schon beendet haben, obwohl noch genug Stoff vorhanden wäre.
Alle drei Staffeln gibt's bei Netflix.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt anzeigen lassen. Dabei können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

 

"Crazy Ex-Girlfriend": Hach, huch und wow!

Rebecca Bunch (Rachel Bloom) steht am Anfang einer großen Karriere als Anwältin in New York, doch dann entscheidet sie sich, einen Job in einem kleinen Ort in Kalifornien anzunehmen. Aber nicht etwa, weil ihre Jugendliebe, die sie nach Jahren zufällig wiedergetroffen hat, ebenfalls dorthin geht - nein! das wäre ja ein sexistisches, frauenfeindliches Erzählklischee, wie Rebecca Bunch es ausdrücken würde. Und damit ist das Spannungsfeld dieser besonderen Dramedy auch schon beschrieben. Wir sehen, wie sich Rebecca in dem kleinen, langweiligen Ort einlebt, Leute kennenlernt - und sich an ihren Ex ranmacht. Ein entscheidender Aspekt fehlt in der Beschreibung allerdings noch: Rebecca Bunch hat psychische Probleme und nimmt Situationen immer wieder als Musical-Nummern wahr, weshalb es pro Folge zwischen zwei und drei überraschend aufwändige Musik-Video-Szenen gibt, die auf eine verrückte Art Teil der Handlung sind. (Ein herrliches Beispiel gleich aus der ersten Folge: "Sexy Getting Ready Song") Je weiter diese ungewöhnliche Dramedy fortschreitet, desto klarer wird: Hier geht's auch um eine sehr treffende Darstellung von psychischen Krankheiten und anderen für Comedys bis dahin gemiedenen Themen. Die vierte und letzte Staffel ist seit ein paar Tagen endlich auch in Deutschland verfügbar.
Alle vier Staffeln gibt's in Deutschland nur bei Netflix.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt anzeigen lassen. Dabei können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

 

"Das Institut - Oase des Scheiterns": Einfach die Sorgen weglachen.

Hohe Witzdichte, jede und jeder kriegt sein Fett weg: "Das Institut" spielt in einem deutschen Kulturinstitut im fiktiven zentralasiatischen Land Kisbekistan. Nein, das Goethe-Institut wird mit keinem Wort erwähnt. Aber, sagen wir es mal so: Es soll Angestellte selbigen Instituts geben, die die eigene Institution wiedererkannt haben sollen und umso herzhafter darüber lachen konnten. Ein besonderes Highlight der ersten Staffel: die Folge "Fußball ist unser Leben", in dem die Exil-Deutschen gegen die Exil-Niederländer im Matschfußball antreten. Wunderbar absurd. Die zweite Staffel ist am Donnerstag im BR gestartet und wird dort wöchentlich gesendet, in der ARD-Mediathek sind aber schon alle neuen Folgen abrufbar.
Staffel 1 und 2 gibt's in der ARD-Mediathek und MagentaTV, die erste Staffel ist auch bei Amazon und Co. verfügbar.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt anzeigen lassen. Dabei können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

 

"Der Pass": Höchstspannend.

Ja, "Die Brücke" ist eine grandiose Krimi-Serie - vor allem wegen der Hauptfigur Saga Norén (hier geht's zu einer kleinen Lobeshymne von mir auf diese Figur). Aber auch die grenzübergreifende Zusammenarbeit zwischen dänischer und schwedischer Polizei beim Ermitteln der blutigen Verbrechen trägt zur Faszination der Serie bei. "Der Pass" ist eine Adaption dieser schwedisch-dänischen Serie und zwar eine richtig gute: Denn während man den Reiz des Zusammenarbeitens über die Grenzen hinweg (Deutschland - Österreich) hier übernommen hat und auskostet, hat man nicht versucht, die unerreichbare Saga Norén zu imitieren. Nein, hier haben wir eigenständige, sehr spannende Figuren, die ein Eigenleben entwickeln und neben den grausamen Serienmorden bestehen können. Das hat einerseits natürlich mit einem hervorragenden Drehbuch dieser Sky-Deutschland-Produktion zu tun, aber andererseits auch mit der Besetzung: Julia Jentsch als ehrgeizige deutsche Ermittlerin Ellie Stocker, Nicholas Ofczarek als heruntergekommener österreichischer Ermittler Gedeon Winter. Also: Wer sich jetzt in eine hochspannende und verstörende Geschichten reinziehen lassen will, um Corona, Covid und Quarantäne zu vergessen, sollte dringend "Der Pass" einschalten - viel Schnee, Berge und extrem aufwändige Bilder sind inklusive.
Die erste Staffel gibt's in der ZDF-Mediathek (bis Mitte Mai 2020), bei den Sky-Streamingangeboten und bei Amazon. Die zweite Staffel ist in Arbeit.

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt anzeigen lassen. Dabei können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

 

"Mozart in the Jungle": Spendet Wärme und Geborgenheit.

Warmherzig, witzig und geht ins Ohr: "Mozart in the Jungle" dreht sich um ein renommiertes New Yorker Orchester, das von einem neuen, rebellischen Dirigenten zu neuen Höhenflügen gebracht werden soll. Die Geschichte dreht sich einerseits um besagten Dirigenten-Rebellen Rodrigo De Souza (Gael Garcia Bernal), andererseits um die junge Oboistin Hailey Rutledge (Lola Kirke), die gerne einen festen Platz im Orchester-Ensemble hätte. Diese Comedy ist wunderbar - herrlich schräge Figuren, treffende Dialoge, beschwingend. Und zieht selbst Leute wie mich in den Bann, die von klassischer Musik keine Ahnung haben, aber offenbar auch Leute, die Ahnung haben, wie Gastauftritte berühmter Klassik-Künstler und -Komponisten zeigt. Ein entscheidender Grund, warum die Serie so überzeugend ist: Zwischen den Hauptdarstellern Bernal und Kirke stimmt die Chemie, das Knistern ist selbst auf dem Sofa zu spüren.
Alle vier Staffeln gibt's bei Amazon (Prime).

Empfohlener externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Youtube, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt anzeigen lassen. Dabei können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.