Es heißt ja, man könne sich seine Freunde aussuchen. Doch wie gut kennen Sie eigentlich ihre guten Freunde? Für Promis gibt es nun eine schöne Gelegenheit, genau das herauszufinden - vorausgesetzt, sie haben kein Problem damit, sich vor laufender Kamera vorübergehend zum Affen zu machen. "My Idiot Friend" nennt sich diese besondere Form der Freundschaftspflege, die Joko und Klaas neuerdings bei ProSieben betreiben. Es handelt sich dabei um die erste Auskopplung aus ihrer "Besten Show der Welt". Und gleich die Premiere zeigte, dass es eine ganz gute Idee war, diese Format-Idee weiterzuverfolgen.

Verglichen mit der Version, die Klaas Heufer-Umlauf vor einigen Wochen mit seinem Kompagnon Joko Winterscheidt spielte, hat die Produktionsfirma Florida TV aber vorsichtshalber noch einmal an einigen Stellschrauben gedreht. Die Comic-Anmutung ist einer Hochglanz-Optik gewichen, die ein Stück weit an das "Neo Magazin Royale" erinnert, Joko rückt in die Rolle des zweiten Moderators auf - und damit ein wenig mehr Wettkampf-Stimmung als beim Samstagabend-Piloten aufkommt, geht es pro Folge nun gleich um zwei Promis, die im Vorfeld mit versteckter Kamera in absurde Situationen gebracht wurden und nun von jeweils drei Freunden im Studio eingeschätzt werden müssen.

Dieser Aspekt führt dazu, dass "My Idiot Friend" für ein Format am späten Abend ausgesprochen prominent besetzt ist: Schauspieler Uwe Ochsenknecht, BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken und Model Franziska Knuppe treten in der ersten Ausgaben als Freunde von BossHoss-Sänger Alec Völkel gegen Sängerin Lena Meyer-Landrut, Tänzerin Nikeata Thompson und Musiker Olli Schulz als Freunde von Schauspielerin Palina Rojinski an. Sie alle liefern sich einen recht unterhaltsamen Schlagabtausch, durch den man als Zuschauer auf amüsante Weise erfährt, wie die Promis eigentlich ticken.

Am Beispiel von Alec Völkel lässt sich das ganz gut erkennen: Der durfte nämlich bei einem vorgegaukelten Meet & Greet die Bekanntschaft mit einem vermeintlichen Stalker machen. Als der Mann plötzlich davon spricht, dass er die "geile Hütte" des Musikers in seiner Freizeit gerne mal mit dem Fernglas beobachtet, reagiert dieser alles andere als begeistert. Das trifft auch auf Palina Rojinski zu, die sich plötzlich im Auto einer Freundin in einer Waschstraße wiederfindet - bei geöffnetem Fenster, versteht sich. Später sieht man Rojinski dann noch in einem launigen Fake-Interview, bei dem die junge Fragenstellerin alles wissen will, nur nichts vom Film, den die Schauspielerin eigentlich bewerben soll.

My Idiot Friend© ProSieben / Claudius Pflug

"My Idiot Friend" hebt die Idee der versteckten Kamera ganz sicher nicht auf ein neues Level, doch die kompakte Mischung aus "Pranks" und Rate-Sequenzen im Studio kommt durchweg stimmig daher. Weil die Filme immer wieder unterbrochen werden, eignet sich die Show auch fürs Publikum gut zum mitraten. So zerbrechen sich nicht nur die Freunde im Studio den Kopf darüber, wie berechenbar die heimlich gefilmten Reaktionen von Alec Völkel und Palina Rojinski sind, sondern eben auch die Zuschauer auf dem Sofa. Ein gelungenes Konzept also, das noch dazu das Zeug hat, sich auch international gut zu verkaufen.

Joko und Klaas nehmen angesichts der Stärken dieser Show-Idee fast schon eine Nebenrolle ein. Dass hier mal nicht die beiden gegeneinander antreten, ist angesichts unzähliger Challenges in der Vergangenheit eine willkommene Abwechslung. Nein, die Stars der Show sind diesmal tatsächlich ihre Gäste - und zwar bis zum Ende. Das ist für die nach Freundes-Punkten unterlegene Palina Rojinski so bitter, dass sie dazu aufgefordert wird, sich neue Freunde zu suchen. "Ich bin's, die Peggy Bundy von Joko und Klaas", muss sie zur Strafe vom Teleprompter ablesen. Und: "Ich bin auch Schauspielerin. Also das, was man in Deutschland darunter versteht."

Während sie all diesen herrlichen Quatsch so sagt, lacht sie Tränen. So gesehen ist Palina wohl die einzige, die "My Idiot Friend" an diesem Abend ernsthaft zum Heulen findet.