Eines hat Stefan Raab mit seinem Polittalk "Absolute Mehrheit - Meinung muss sich wieder lohnen", in jedem Fall geschafft: Schon im Vorfeld wird kräftig über ihn diskutiert. Noch bevor jemand eine Minute der Sendung gesehen hat, bezeichnete Bundestagspräsident Norbert Lammert, ohnehin oberster Kritiker von Polittalks im Fernsehen, das Format am Freitag bereits als "absoluten Unfug". "Wer Geld für Meinungen aussetzt, bestellt Meinungen für Geld", so Lammert. In der Sendung winken einem der Gäste zum Schluss 100.000 Euro, falls er über 50 Prozent der Zuschauerstimmen auf sich vereinen kann.

In der "Süddeutschen Zeitung" verwahrt sich Raab nun gegen diese Kritik: "Dass der Bundestagspräsident in dieser Form über eine Sendung urteilt, die das Ziel hat, junge Menschen wieder für die politische Diskussion zu begeistern, und die er noch nicht mal gesehen hat, finde ich unerhört." Mit der Bezeichnung "Unfug" beleidige er neben den Beteiligten der Sendung auch "sehr, sehr viele Zuschauer", empört sich Raab. Der Vorwurf, man bestelle Meinungen für Geld, sei darüber hinaus absurd. "Meinungen für Geld werden am laufenden Band bestellt, nämlich immer dann wenn ein Politiker einen bezahlten Vortrag hält, wogegen ich grundsätzlich nichts habe." Sein Ratschlag an den Bundestagspräsidenten: "Ich schlage vor, Herr Lammert schaut sich die Sendung erstmal an, und nimmt am Montag erneut dazu Stellung."

Auch die Zweifel an der Professionalität seiner Redaktion, die offenbar Volker Beck mit der Begründung ausgeladen hat, dass Umweltminister Altmaier dies verlangt habe, woraufhin wiederum Altmaier empört seine Zusage zurückgezogen hat, weist Raab zurück: "Wir müssen nichts lernen, meine Redaktion und ich verstehen unseren Job. Manche Politiker und ihre Referenten müssen lernen, dass der öffentlich-rechtliche Talkshowschmusekurs, wonach alle Sendungen schön paritätisch unter Absegnung und Koordination mit irgendwelchen Gremien besetzt werden vorbei ist." Bei ihm knüpfe jedenfalls kein Gast sein Erscheinen an irgendwelche Bedingungen. Gelernt habe er lediglich, dass es offenbar in diesem Metier vollkommen üblich sei, dass Gäste auch in letzter Sekunde absagen. Man müsse also immer noch eine "Reserveliste in der Schublade" haben.

An seinen Polittalk-Konkurrenten übt Raab unterdessen selbst Kritik: "Was da passiert, ist einfach viel zu einförmig. Mittlerweile hat sich das alles so eingesessen." Und weiter: "Ich glaube, dass man eine politische Talkshow machen kann, ohne dass der Entertain-Faktor total ins Hintertreffen gerät." Man könne politische Inhalte schließlich auch leidenschaftlich und hochemotional verkaufen. Damit das geschieht, will er eine Atmosphäre kreieren, "in der auch Politiker die Chance haben, sagen wir mal, entspannter und unkontrollierter zu agieren und zu reagieren." Eine Maßnahme: Statt Wasser gibt's für die Gäste Kölsch.

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