Das Vierte© Das Vierte
Eigentlich schien alles bereits in trockenen Tüchern zu sein, doch nun kommt alles anders: Der bereits Ende Mai sicher geglaubte Verkauf des Privatsenders Das Vierte an die Spirit on Media Group ist geplatzt. Spekulationen über ein mögliches Scheitern der Verhandlungen waren bereits vor einigen Tagen aufgekommen.

Gescheitert ist der Verkauf einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge am Geld. Auch wenn offiziell keinerlei Angaben zum Kaufpreis gemacht wurden: Die angeblichen 60 Millionen Euro wollte oder konnte Spirit on Media, deren Tochtergesellschaft Phoenix Medien GmbH mit Sitz in München alle Anteile des TV-Senders Das Vierte zu erwerben beabsichtige, nicht bezahlen.

 

"Offenbar ist es der Spirit on Media nicht gelungen, die Finanzierung der Transaktion sicherzustellen", zitiert die "FTD" aus einem Schreiben an die Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen. Der frühere N24-Chef Ulrich Ende, der usprünglich die Geschäftsführung von Das Vierte übernehmen sollte, bestätige die gescheiterten Verhandlungen. Man habe sich "nicht einigen können, in nochmalige, der Marktlage angemessene Verkaufsverhandlungen einzutreten", sagte Ende gegenüber dem Wirtschaftsblatt.

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Nun will sich Senderchef Dmitrj Lesnewski wieder höchstpersönlich um Das Vierte kümmern - ob das einige rosige Zukunft verspricht, darf allerdings bezweifelt werden. Der Russe hatte nach dem Kauf des Senders angekündigt, aus Das Vierte ein Vollprogramm zu machen, schien jedoch von Anfang an nur wenig Ahnung vom deutschen Fernsehgeschäft gehabt zu haben. Mit seiner Aussage "Ich werde so viel investieren wie nötig, vielleicht 10 Millionen, vielleicht 40" hatte Lesnewski einst für Schmunzeln in der Branche gesorgt. In der Praxis sah alles schließlich ganz anders aus: Zwischenzeitlich gab es zwischen Teleshopping, Astro TV und Call In kaum mehr als einen einzelnen Film am Abend zu sehen.

Spirit on Media muss sich unterdessen von seinen ursprünglichen Fernsehplänen verabschieden. Ursprünglich war geplant, sich durch den Erwerb von Das Vierte breite aufzustellen. "Dazu gehört auch die Vorstellung und strategische Perspektive, einen Vollprogramm-Sender zu etablieren", sagte Ulrich Ende im Mai gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de. "Dies ist auch die Basis für weitere Aktivitäten wie etwa in den Bereichen Mobile und Internet. Speziell auf dem deutschen Markt ist es sicherlich interessant, einen komplett unabhängigen Fernsehsender zu haben." Der liegt inzwischen allerdings in weiter Ferne.